Sperrmülltourismus
Bei uns im Ort ist/war heute Sperrmüll. Im Gegensatz zu anderen Geminden, meldet man sich nicht beim Entsorgungsunternehmen um einen Einzeltermin zu vereinbaren. Es gibt im Jahr zwei Termine, an denen jeder Haushalt seinen Sperrmüll an die Strasse stellen kann, und dieser dann durch den Entsorger abgeholt wird. An diesen Terminen ist die Abholung des Sperrmülls kostenfrei. Bis hierhin ist also erstmal alles gut!
Diese zentralen Abholtermine haben aber auch einen Schattenseite. Es gibt nämlich ein Gewerbe, welches sich darauf spezialisiert hat, diesen Sperrmüll zu Geld zu machen, zumindest Teile davon. Bei uns in der Region sind dies überwiegend Polen und Niederländer. So entwickelt sich ein regelrechter Sperrmülltourismus. Das sieht dann so aus, dass eine Armada von Pritschen- und Kastenwagen in den Ort einfällt. Diese durchstreifen sämtliche Strassenzüge und durchwühlen alle Sperrmüllberge auf der suche nach brauchbaren Dingen. An mehreren Stellen im Ort werden außerdem richtige Tauschbörsen eingerichtet, an dene die “Beute” untereinander, je nach Spezialgebiet, getauscht wird.
Einige Leser werden nun denken, dass es ja gut ist, wenn man aus dem, was andere nicht mehr gebrauchen können, Geld machen kann. Darum geht es mir auch gar nicht. Mich stört vielmehr, dass in den zwei Tagen vor dem Sperrmülltermin sich ein unheimlicher Verkehr von (eher schrottreifen) Kleintransportern entwickelt, die auch in Wohngebieten mit teilweise hoher Geschwindigkeit die Sperrmüllberge abfahren. Einen Transporter habe ich weingstens vier Mal vor unserer Haustür gesehen. (Es hätte ja noch etwas hinzugekommen sein können!) Die Kinder lässt man dann besser im Hof spielen.
Im Eifer des Gefechts werden dann bei der vermeintlichen “Schatzsuche” auch schon mal die Beete zertrampelt, oder man findet den vorher ordentlich aufgestellten Müll über den Gehweg oder die halbe Straße verteilt.
Außerdem hat es sich eingebürgert, dass auch viele Gegenstände, die nicht in den Sperrmüll gehören (Fernseher, Kühlschränke, etc.) extra früher herausgestellt werden, damit diese dann auch von den Sperrmüllsammlern eingesammelt werden. Ich bezweifle, dass die Entsorgung dann immer fachgerecht durchgeführt wird.
Wenn ich richtig informiert bin, dann erfüllt das einfache Mitnehmen von Müll den Tatbestand des Diebstahls, da der Müll nach dem Rausstellen zum Eigentum des Abholers wird. Dies zu ahnden fände ich persönlich etwas übertrieben. Man sollte aber darauf achten, dass die Kollateralschäden  der Sperrmülltermine nicht überhand nehmen!

